Am darauf folgenden Tag war der Hund sehr schwach, Lilly erbrach jegliches Futter und Flüssigkeit, die zugeführt wurde. In großer Sorge suchten die Tierhalter den Notdienst der Tierärztekammer Hamburg auf. Der Hund erhielt etwas Flüssigkeit unter die Haut und einige Spritzen.

Teststreifen zeigt das positive Ergebnis auf das Vorhandensein von Parvoviren im Kot des Patienten.Gegen Abend war der kleine Welpe stark apathisch und reagierte kaum noch, die Körpertemperatur war auf 37,3° C gefallen. Damit eine Intensivbehandlung des Patienten möglich wurde, legte der diensthabende Tierarzt einen Venenzugang und entnahm gleichzeitig eine Blutprobe zur Analyse in unserem Labor. Die Blutuntersuchung ergab eine Leukopenie (Verminderung der weißen Blutkörperchen) und eine Anämie (Blutarmut). Gleichzeitig lag eine Schädigung des Knochenmarks vor, während dem Organprofil zufolge keine schwerwiegende Schädigung der Organe vorlag. Es wurde eine Kot-Probe aus dem Darm gewonnen. Die mikroskopische Untersuchung ergab eine große Anzahl an Entzündungszellen, viel Blut und eine große Anzahl an Bakterien. Aufgrund der Leukopenie im Blutbild wurde eine Untersuchung auf das Parvovirus (Panleukopenie, lesen sie hierzu viele interessante Details auf unserer Partnerseite , in unserem klinikeigenen Laboratorium veranlasst. Der Test war positiv. Es konnten also Parvoviren im Kot von Lilly nachgewiesen werden!

Die Diagnose lautet jetzt: Parvovirose!

Die Parvovirose, die auch als Katzenseuche bekannt ist, ist eine hochgradig ansteckende Hundeseuche. Zur Versorgung des Patienten haben wir Lilly auf der A-Station unserer Isolierstation aufgestallt. Hier sind wir entsprechend ausgestattet, um für den Patienten eine infektionsmedizinische Versorgung zu gewährleisten. Die Station kann über einen getrennten Zugang betreten werden. Gleichzeitig muss vom Personal Schutzkleidung zum Betreten angelegt werden. Das Schuhwerk muss beim Betreten und beim Verlassen des Isolations-Bereiches desinfiziert werden.

Lilly am Tropf ein Automat überwacht die genaue Dosis der Infusion.Wärmebehandlung durch Infrarotstrahlung


Der lebensbedrohliche Gesundheitszustand der kleinen Lilly erforderte eine intensivmedizinische Versorgung des Patienten. Starke Medikamente wie vorgefertigte Abwehrstoffe gegen das Parvovirus, Interferon zum Schutz der Körperzellen vor der weiteren Ausbreitung des Virus und Antibiotika bildeten nur einen Teil der Behandlung. Am folgenden Tag ging es der Kleinen ein wenig besser, sodass sie zwar ansprechbar,  aber noch zu schwach zum Aufstehen war. Innerhalb von 48 Stunden ging es der kleinen Patientin deutlich besser. Nach drei Tagen in der Klinik unter absoluter Nahrungskarenz musste der Verdauungstrakt überprüft werden, um festzustellen, ob eine orale Futteraufnahme überhaupt möglich war. So wurde eine Kontrastmittelstudie vom Verdauungsapparat durchgeführt.

Röntgenbild zeigt den Magen mit RöntgenkontrastmittelKontrastmittelpassage durch den Verauungskanal.

 


 

Am vierten Tag hat die kleine Lilly leicht verdauliche Flüssignahrung zu sich nehmen können und bald drauf eine schonende Magen-Darm-Schonkost. Die kleine Patientin erholte sich schnell und konnte zu ihren überglücklichen Haltern nach Hause zurückkehren. Die Kontrolle des Blutes und die Aufarbeitung des Impfstatus waren wichtige Ziele für die Prophylaxe auch gegen Staupe.

Denn Unheil schläft nicht!

Dem Hund geht es am 4. Tag wieder gut.Es muss an dieser Stelle ganz klar gesagt werden, dass die zum Teil durchgeführte Impfung der kleinen Lilly das Leben gerettet hat. Die Parvovirose ist eine, besonders für Welpen, tödliche Krankheit. Durch den illegalen osteuropäischen Welpenhandel werden Krankheitserreger, wie beispielsweise das Parvovirus oder das Staupevirus, immer wieder eingeschleppt. Durch Veränderungen der Viren respektieren diese häufig die Arten-Barriere nicht mehr, ähnlich wie bei der Vogelgrippe des Menschen.

Aus diesem Grund ist es außerordentlich wichtig, auf einen guten Impfschutz bei seinem Haustier, ob Hund oder Katze, zu achten.

 


 

Die Impfung kann Leben retten!

Ganz reizendes Foto von Lilly mit Danksagung