Katze Püppi mit weit aufgerissenen Pupillen und Speichelfluss im Mundwinkel.

Notfall im Hamburger Tierspital

Unser Tierarzt berichtet über einen Fall:

Zwei junge Katzen, Püppi und Candy, hatten Glück.

Am Sonntag wurden im Notdienst die zwei jungen Europäisch-Kurzhaar-Katzen Püppi und Candy in der Notsprechstunde des Hamburger Tierspitals vorgestellt. Die beiden Tiere waren apathisch, hatten hohes Fieber und starken Speichelfluss.

Bei der näheren Untersuchung konnte der Nottierarzt schwere Verätzungen der Zungenschleimhäute feststellen. Was war passiert?

Zungenrand ist stark geschädigt und aufgequollen.Die Besitzer hatten die freie Zeit am Wochenende genutzt, um die Speisekammer ihres Hauses wieder auf Vordermann zu bringen. Neben einer gründlichen Reinigung wurden auch die Wände mit einer  Lösung zur Beseitigung von Schimmelpilzen behandelt. Anschließend hatten die Besitzer sämtliche Flächen gespült und sorgsam darauf geachtet, dass keine Gefahr für ihre Lieblinge durch Rückstände des Mittels bestand. Doch leider reichten schon kleinste Reste, um die Neugierde von Püppi und Candy zu wecken, Dies hatte zur Folge, dass die beiden Katzen die für sie unbekannte Substanz aufleckten.

Schon kurze Zeit später mussten die Besitzer feststellen, dass es ihren Katzen sehr schlecht ging. Sie machten sich umgehend auf den Weg ins Hamburger Tierspital. Geistesgegenwärtig vermuteten sie bereits einen Zusammenhang zwischen der Erkrankung und dem Pilzmittel und  nahmen die  Verpackung gleich mit. Im Hamburger Tierspital angekommen,  wurde zunächst sichergestellt, dass die Kreislauffunktionen von Candy und Püppi stabil waren. Glücklicherweise bestand keine akute Lebensgefahr.


Zunge ist deutlich abgeschwollen und heilt bereits.Auch eine Analyse des Blutes im hauseigenen Labor gab Entwarnung. Nach eingehender Untersuchung ging es nun darum, das aufgenommene Gift wieder aus den Körpern der beiden Tiere zu entfernen und die durch das Gift entstandenen Verätzungen erträglicher zu machen. Hierzu wurden  die beiden Kätzchen auf die Intensivstation des Tierspitals verlegt und über einen Venenzugang mit Flüssigkeit versorgt. Zusätzlich wurde ein harnförderndes Mittel gegeben, sodass  die Flüssigkeitszufuhr und die Verstärkung der Nierenfunktion  die Giftstoffe “herausspülen” konnten.. Zur Behandlung der Läsionen auf der Zunge erhielten beide ein Schmerzmittel und ein entzündungshemmendes Medikament. Mit einer speziellen oralen Suspension, die auch bei der  Behandlung von Magengeschwüren zur Anwendung kommt, wird eine Art Schutzfilm über den geschädigten Stellen gebildet und die Heilung der Schleimhaut zudem gefördert. Nach drei Tagen Behandlung ging es Candy und Püppi schon deutlich besser. Sie waren wieder aufmerksam und aktiv, die Verletzungen im Maul machten große Fortschritte und sie  konnten wieder zu ihren glücklichen Besitzern entlassen werden. Dieser Fall zeigt, welchen Gefahren unsere Haustiere durch Chemikalien im Haushalt ausgesetzt sein können, auch wenn man größtmögliche Sorgfalt walten lässt.