Charlie in Lebensgefahr

Der siebenjährige Europäisch Kurzhaar Kater Charlie wurde in den Notdienst des Hamburger Tierspitals eingeliefert. Charlie hatte schon seit Tagen kaum gefressen und zeigte eine deutliche Antriebsarmut. Vom Haustierarzt war bereits die Diagnose der autolytischen Anämie gestellt worden und es hatte eine Behandlung mit Tabletten begonnen. Bei der klinischen Untersuchung liegt der Kater in Seitenlage, zeigt eine schwache Atmung und die Schleimhäute sind porzellanfarben. Das Tier ist sehr schwach, es kann nicht einmal aufstehen und miaut klägli

< Ein Venenkatheter wird in die Vene am Vorderbein eingesetzt und eine Blutprobe entnommen.

Die Blutuntersuchung im hauseigenen Labor ergibt, dass Charlie kaum noch Blut in seinen Adern hat. Die Messung des Hämatokrit-Wertes ergibt nur 5 % rote Blutkörperchen, bereits wenn sich nur noch 12 % rote Blutkörperchen im Blutkreislauf befinden, ist eine Bluttransfusion angezeigt.

Normal ist bei der Katze ein Wert zwischen 34 bis 50%.

Ohr bei der EinlieferungBlasse Schleimhaut der Augen


Des Weiteren sind Leber und Niere geschädigt. Der Leberwert liegt bei 1.000, normal ist der Grenzwert bei 40. Der Nierenwert, der die Giftstoffe in der Blutbahn anzeigt, liegt über dem 2,5fachen des erlaubten Grenzwertes. Durch die Belastung der Nieren sind Veränderungen im Salzhaushalt des Katers nachweisbar. Der Wert für den Kaliumspiegel im Blut liegt bei 2, dieser sollte aber mindestens 3,5 betragen. Die Blutarmut und der niedrige Kaliumwert führen bei dem Kater zu erheblichen Herzrhythmusstörungen.

Schnell ist den Tierärzten vom Hamburger Tierspital klar: Charlie befindet sich in akuter Lebensgefahr. Sie müssen jetzt schnell handeln, die Behandlung richtet sich zunächst gegen den Volumenmangelschock und gegen die Giftstoffe, die Nieren und Leber schädigen. Gleichermaßen muss das Kalium-Defizit ausgeglichen werden, um das Herz zu entlasten. Wenn Charlie ein Kämpfer ist kann er es vielleicht schaffen, urteilt der Chefarzt der Klinik. Doch seine Chancen stehen schlecht, da schon zu viele seiner Organe in Richtung des multiplen Organversagens steuern. Doch sein Frauchen glaubt an den starken Willen ihres Katers und lässt alle notwendigen Maßnahmen für einen Rettungsversuch starten.

Umgehend erhält der Patient über einen Tropf eine spezielle Flüssigkeit, um das Blut erst einmal zu strecken. Gleichzeitig werden Medikamente verabreicht, damit möglichst viele Giftstoffe aus dem Blut gewaschen werden. Der Zusatz eines Kaliumkonzentrats soll das Salzdefizit ausgleichen und so zunächst der Kreislauf stabilisiert und das Organversagen abgewendet werden. Charlies größtes Problem ist dennoch die extrem starke Blutarmut. Um ihn zu retten, muss er umgehend mit einer Bluttransfusion notfallmedizinisch versorgt werden, doch kommerziell sind Blutspenden in der Tiermedizin nicht erhältlich. Zunächst müsste eine Blutgruppenbestimmung von dem Kater gemacht werden. Im Anschluss müsste in der tierspitaleigenen Datenbank ein passendes Spendertier zur Herstellung einer Bluttransfusion gefunden werden.

Durch einen Schnelltest, mit dem Abwehrstoffe gegen rote Blutkörperchen nachgewiesen werden, konnte die Verdachtsdiagnose der autoimmunen hämolytischen Anämie bei dem Kater bestätigt werden, mit der Folge, dass Charlies Körper sein eigenes Blut zerstört.

Ist dies das Todesurteil für den Kater oder kann ein geeigneter Spender gefunden werden?

Nun müssen durch eine spezielle Chemotherapie die aggressiven Blutzellen in der Blutbahn außer Gefecht gesetzt werden und durch frisches, gesundes Blut ersetzt werden.

Die erste Spenderkatze aus der Datenbank war zwar wie geschaffen für die Spende der Blutkonserve, mit 8,2 kg recht schwergewichtig, verfügte über gesundes Blut in recht konzentrierter Menge mit den notwendigen Eigenschaften der Blutgruppe. Leider scheiterte die Blutspende an dem dann doch zu konzentrierten Blut, das zu viele Probleme bei der Gewinnung aufwarf.

Nun musste ein zweiter Blutspender gefunden werden - Max der Retter

Die Blutuntersuchung im hauseigenen Labor ergibt, dass Charlie kaum noch Blut in seinen Adern hat. Die Messung des Hämatokrit-Wertes ergibt nur 5 % rote Blutkörperchen, bereits wenn sich nur noch 12 % rote Blutkörperchen im Blutkreislauf befinden, ist eine Bluttransfusion angezeigt.

Normal ist bei der Katze ein Wert zwischen 34 bis 50%.


Ohr bei der Einlieferung Ohr nach einer Woche


Blasse Schleimhaut der AugenNach einer Woche ist die Augenschleimhaut blass rosa


Des Weiteren sind Leber und Niere geschädigt. Der Leberwert liegt bei 1.000, normal ist der Grenzwert bei 40. Der Nierenwert, der die Giftstoffe in der Blutbahn anzeigt, liegt über dem 2,5fachen des erlaubten Grenzwertes. Durch die Belastung der Nieren sind Veränderungen im Salzhaushalt des Katers nachweisbar. Der Wert für den Kaliumspiegel im Blut liegt bei 2, dieser sollte aber mindestens 3,5 betragen. Die Blutarmut und der niedrige Kaliumwert führen bei dem Kater zu erheblichen Herzrhythmusstörungen.

Schnell ist den Tierärzten vom Hamburger Tierspital klar: Charlie befindet sich in akuter Lebensgefahr. Sie müssen jetzt schnell handeln, die Behandlung richtet sich zunächst gegen den Volumenmangelschock und gegen die Giftstoffe, die Nieren und Leber schädigen. Gleichermaßen muss das Kalium-Defizit ausgeglichen werden, um das Herz zu entlasten. Wenn Charlie ein Kämpfer ist kann er es vielleicht schaffen, urteilt der Chefarzt der Klinik. Doch seine Chancen stehen schlecht, da schon zu viele seiner Organe in Richtung des multiplen Organversagens steuern. Doch sein Frauchen glaubt an den starken Willen ihres Katers und lässt alle notwendigen Maßnahmen für einen Rettungsversuch starten.

Umgehend erhält der Patient über einen Tropf eine spezielle Flüssigkeit, um das Blut erst einmal zu strecken. Gleichzeitig werden Medikamente verabreicht, damit möglichst viele Giftstoffe aus dem Blut gewaschen werden. Der Zusatz eines Kaliumkonzentrats soll das Salzdefizit ausgleichen und so zunächst der Kreislauf stabilisiert und das Organversagen abgewendet werden. Charlies größtes Problem ist dennoch die extrem starke Blutarmut. Um ihn zu retten, muss er umgehend mit einer Bluttransfusion notfallmedizinisch versorgt werden, doch kommerziell sind Blutspenden in der Tiermedizin nicht erhältlich. Zunächst müsste eine Blutgruppenbestimmung von dem Kater gemacht werden. Im Anschluss müsste in der tierspitaleigenen Datenbank ein passendes Spendertier zur Herstellung einer Bluttransfusion gefunden werden.

Durch einen Schnelltest, mit dem Abwehrstoffe gegen rote Blutkörperchen nachgewiesen werden, konnte die Verdachtsdiagnose der autoimmunen hämolytischen Anämie bei dem Kater bestätigt werden, mit der Folge, dass Charlies Körper sein eigenes Blut zerstört.

Ist dies das Todesurteil für den Kater oder kann ein geeigneter Spender gefunden werden?

Nun müssen durch eine spezielle Chemotherapie die aggressiven Blutzellen in der Blutbahn außer Gefecht gesetzt werden und durch frisches, gesundes Blut ersetzt werden.

Die erste Spenderkatze aus der Datenbank war zwar wie geschaffen für die Spende der Blutkonserve, mit 8,2 kg recht schwergewichtig, verfügte über gesundes Blut in recht konzentrierter Menge mit den notwendigen Eigenschaften der Blutgruppe. Leider scheiterte die Blutspende an dem dann doch zu konzentrierten Blut, das zu viele Probleme bei der Gewinnung aufwarf.

Nun musste ein zweiter Blutspender gefunden werden - Max der Retter

BlutkonserveGlücklicherweise ist Siamkater Max zur Stelle und hat auch die geeignete Blutgruppe. Und nach einer Weile Aderlass ist der Transfusionsbeutel schon recht gut gefüllt. Schnell wird die lebensrettende Flüssigkeit zu Charlie auf die Intensivstation gebracht und per Venenkatheter zugeführt (s. Bild). Jetzt heißt es Abwarten und Hoffen, denn trotz aller vorherigen Tests ist nicht klar, ob der Patient die Blutspende verträgt oder sein Immunsystem die neuen Blutzellen gleich wieder zerstört. Doch nach bangen Stunden für die Besitzer gibt es endlich Entwarnung.

Am folgenden Tag kann Charlie wieder alleine stehen, frisst und macht auch einen aufmerksamen und stabilen Eindruck. Auch sind seine roten Blutkörperchen nun von 5% auf 18 % angestiegen. Noch ist nicht klar, ob die Blutspende von dem Europäisch Kurzhaar Kater dauerhaft angenommen wird.

Charlie erhält weiterhin eine Chemotherapie, damit das Blut nicht abgestoßen wird und er sich weiter erholen kann. Durch die Gabe eines Medikaments wird sein Knochenmark von veranlasst, vermehrt eigene Blutzellen zu bilden.

Nach einer Woche intensiver Behandlung haben sich die Leberwerte um 60 % verbessert, die Nierenwerte und Salze im Blut von Charlie haben sich normalisiert und die roten Blutkörperchen konnten sich um weitere 6 % vermehren. Auch die Schleimhäute sehen wieder rosa aus, die Ohren haben ihre natürliche, gesunde Farbe zurückerhalten. (Wie sahen sie vorher aus?)

Autoimmunhämolytische Anämie entsteht als Folge eines Verlustes der Selbsttoleranz der Erythrozyten, wenn Antikörper krankheitsbedingt an Erythrozyten anhaften, wie z. B. bei Tumoren, Infektionskrankheiten, anderen Immundefekten oder Medikamentengabe. Außerdem ist zu erwähnen, dass bei bestimmten Rassen ein erhöhtes Auftreten dieser Krankheit besteht.

Die meisten Fälle von autoimmunhämolytischer Anämie bei Katzen treten vorwiegend jedoch ohne eine vorausgehende Ursache auf.


Charly nach einer WocheCharly bei der Kontrolle nach 2 Wochen


Charlie ist für den Moment außer Lebensgefahr, doch wie kann er langfristig mit dieser Krankheit leben? Die Therapie zielt auf eine Immunsuppression, um die Bildung von Antikörpern gegen sein eigenes Blut zu unterbinden. In diesem Fall kommt ein modernes Chemotherapeutikum zum Einsatz. Durch die Transfusionen und die Behandlung mit Medikamenten, die das Abwehrsystem unterdrücken, können kontinuierlich die fehlgeleiteten Abwehrzellen eliminiert werden und der Zustand des Patienten fortlaufend verbessert werden. Leider ist aufgrund der Schwere der Erkrankung die Prognose trotzdem vorsichtig zu stellen. Doch auch wenn es zu einem Rückfall kommen sollte, wird der Notdienst vom Hamburger Tierspital wieder für Charlie und seine Besitzer da sein.

Der siebenjährige Europäisch Kurzhaar Kater Charlie wurde in den Notdienst des Hamburger Tierspitals eingeliefert. Charlie hatte schon seit Tagen kaum gefressen und zeigte eine deutliche Antriebsarmut. Vom Haustierarzt war bereits die Diagnose der autolytischen Anämie gestellt worden und es hatte eine Behandlung mit Tabletten begonnen.